Dienstag, 28 Februar 2017 16:53

Warum ich schreibe?

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Ich schreibe, um zu informieren, Impulse zu geben und anzuleiten – als Journalistin oder als Sachbuchautorin. Ich schreibe als "Ghost" für andere. Und ich schreibe auch für mich selbst...

Schreibe ich professionell, kann ich meine Beobachtungen und Erfahrungen sowie mein Wissen an interessierte Leser weitergeben, die auf der Suche sind. Während ich einen Artikel oder ein Kapitel verfasse, bündele ich Entdeckungen, die mich selbst berühren, begeistern und auch ein Stück weiterbringen. Als Ghostwriterin für Biografien leihe ich einer anderen Stimme mein Schreibvermögen, ich fühle mich ein. Über etwas zu schreiben, forciert, mich damit auseinanderzusetzen. Es fördert achtsam auf das zu blicken, um was es im Einzelnen geht und wie es in Verbindung zu anderem steht. Ich verlangsame und das fühlt sich gut an.

Schreiben ist für mich die Tätigkeit, bei der ich mich bedingungslos sammeln kann. Es ermöglicht mir, mich zu vertiefen, gedanklich von A nach B zu kommen und ein Thema intensiv zu durchdenken. Konzentration pur. Wenn ich mich schreibend mit etwas auseinandersetze, dann verinnerliche ich, was ich sah, hörte oder fühlte. Ich nehme bewusst wahr, was mich berührt. Und wenn ich darüber schreibe, verflechte ich Äußeres mit Innerem, stelle Zusammenhänge zwischen individuellen und kollektiven Phänomen dar. Ich verbinde mich selbst damit und Teilstücke werden zu einem neuen Ganzen. Ein Prozess, der mir guttut – erschaffe ich doch etwas, was als Text bleibt, für andere oder aber auch erstmal nur für mich persönlich.

Bereits in meiner Jugend entdeckte ich, dass das Schreiben ein vielschichtiges Potenzial birgt: ein vages Empfinden in klare Worte zu fassen, dabei sich selbst, andere und anderes besser zu verstehen, sich selbst auszudrücken und zur eigenen Stimme zu finden. Es gibt Tage, da funktioniert das Schreiben wie von selbst und andere, an denen es sehr mühsam ist. Fällt es mir schwer, erkenne ich, dass mir noch etwas fehlt, dass die Lücken zwischen den einzelnen Gedanken zu groß sind. Dann erobere ich schreibdenkend das Themenfeld oder nähere ich mich mithilfe von meditativem Schreiben den dahinterliegenden, tieferen Bewusstseinsschichten. Dann und an den guten Schreibtagen spüre ich, dass ich mir selbst nah bin, die Worte mühelos zueinanderfinden und es fließt. Darum schreibe ich.

Warum schreiben Sie?

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Gelesen 1329 mal Letzte Änderung am Freitag, 02 Februar 2018 16:56

6 Kommentare

  • Kommentar-Link Monika Maria Kuhn Dienstag, 18 April 2017 16:18 gepostet von Monika Maria Kuhn

    Schreibend mit anderen im Kontakt sein,
    mich anderen mitteilen.
    Im Schreiben und durchs Schreiben den Sinn des Lebens erforschen.
    Schreiben öffnet ganz neue Lebens(t)räume.
    Gedanken ordnen, den Blickwinkel ändern,
    ganz eigene Sichtweisen schildern,
    schreibend überall hinreisen
    nach außen und innen.
    Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
    Beim Schreiben die Essenz finden,
    Wichtiges von Unwichtigem trennen.
    Spielen mit Sprache, Wörtern und Rhythmen.
    Worte neu gestalten und mit neuen Inhalten füllen.
    Neue Wörter erfinden
    Schreibend eine eigene Welt erschaffen.
    Alles ist möglich.

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  • Kommentar-Link Rolf A. Burkart Donnerstag, 09 März 2017 13:59 gepostet von Rolf A. Burkart

    "Sprechen, schreiben, um sich zu vergewissern, dass man lebt.", schrieb ich 1978 mit sechzehn Jahren. Da hatte ich schon einige Jahre schreibend die Hölle überlebt. Ich hielt fest, was unaussprechbar schien, einzelne Worte, die sich in mein Hirn brannten, die ich nicht mehr los wurde. Schreiben und Sprechen waren für mich wie Einatmen und Ausatmen; schreibend sich sammeln und sprechend sich verströmen. Einflechten in die Rede der Welt.
    Das Wort ist Manna, nährt und befruchtet, das Wort kann ein scharfes Florett sein, wenn man sonst keine Waffe hat. Das Wort kann tanzen in der Melodie der Sprache ... die Sprache ist ein Möglichkeitsraum (Nootop) für mein Logotop (mein Biotop aus Worten). Mit ihm lässt sich alles ausdrücken, was denkbar ist. "Die Grenzen meiner Sprache, sind die Grenzen meiner Welt" [L. Wittgenstein]. "Im Anfang war das Wort ..."
    Mal verdichte ich, spitze zu, reibe blank oder nehme Gedanken auseinander. Ein anderes Mal bin ich elegisch, eloquent, genieße es, Zeit außer Kraft zu setzen ... verewigte Augenblicke ... schreibe einen 1600 seitigen Roman.

    Zuletzt die dritte Passion: das BUCH. Ich lernte den Handsatz in Blei, den Fotosatz, das DesktopPublishing. Ich lernte zu drucken auf Handpressen, Offsetmaschinen, Kopieren, PC-Druckern, Siebdruck, Kupfertiefdruck, Holzschnitt ... Ich lernte Bögen zu falzen kollationieren, zu binden in Fadenheftung und Klebebindung und Buchschrauben und Spiralbindung. Ich lernte Manuskripte zu lektorieren, auszuwählen, zu illustrieren, zu rezensieren, zu veröffentlichen und zu vertreiben ... ich lernte auch, damit zu scheitern (wohl weil das alles für einen zu viel ist).

    Mein beweglicher Hausrat besteht zu 90% aus Papier. Ich muss nächsten Monat drei Tonnen aus meinem Atelier im hohen Norden über 600 Kilometer hierher in den Raum Frankfurt bewegen und ich weiß noch immer nicht, wo ich Bücher und Bilder lagern soll.
    Deshalb hier ein Semikolon; wenn das alles geschafft ist, kann ich hoffentlich wieder schreiben.
    Bis dann!

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  • Kommentar-Link Eva Thiel Mittwoch, 08 März 2017 18:53 gepostet von Eva Thiel

    Ich schreibe, weil es für mich eine Möglichkeit ist, Gedanken und Gefühlen Worte zu geben, diese festzuhalten, sie zu komprimieren, zu modifizieren, zu reflektieren, um mich so sowohl auf emotionaler als auch auf kognitiver Ebene weiterzuentwickeln.

    Die Lust am Schreiben: eine nie endende Verliebtheit in meine Muttersprache. Ich liebe den Zauber, der in ihr steckt und das in dem Bewusstsein, dass ich mich schriftlich besser, differenzierter und vielfältiger ausdrücken kann als mit dem gesprochenen Wort.

    Schreiben ist für mich immer wieder eine Entdeckungsreise in unbekannte Welten. Es eröffnet mir Erkenntnisse über mich und "die Welt". Dabei nehme ich in Kauf, dass diese ganz schön an meine Substanz gehen können.

    Mich trägt zudem der Wunsch, allein und ungestört meine Gedanken, Ansichten, Eindrücke, Gefühle in ganzer Länge darzulegen, ohne dass jemand anderer ihnen eine Richtung geben kann, die nicht meine ist, sie gar instrumentalisiert und umdeutet, siehe: politische Gespräche in den Medien.

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  • Kommentar-Link Angelika Angermeier Dienstag, 07 März 2017 20:03 gepostet von Angelika Angermeier

    ..."Ich nehme bewusst wahr, was mich berührt... Ich verbinde mich selbst damit und Teilstücke werden zu einem neuen Ganzen."
    Das geht mir bei dem Text am tiefsten unter die Hautschichten. Die Freiheit wählen zu können, mit was ich mich verbinden will und dann etwas Neues schaffen - das ist einzigartig. Und herrlich der Raum des leistungsfreien, bewertungsfreien Denken.

    Das Spielerische, diese meine Lust am Leben und an den Menschen kann ich am besten über Worte rüberbringen.

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  • Kommentar-Link Laura Elisa Nunziante Dienstag, 07 März 2017 16:45 gepostet von Laura Elisa Nunziante

    Sehr schön, ich finde die "innere Stimme durchs Schreiben zu finden", das passt hier sehr gut. Auch, wenn man über andere schreibt, hinterlässt man mit jedem Text ja auch etwas von sich selbst. Ich schreibe, weil ich nicht malen kann oder eine andere Kunst beherrsche, in der ich mich ausdrücken kann.

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  • Kommentar-Link Felix Kapraun Montag, 06 März 2017 20:34 gepostet von Felix Kapraun

    Warum ich schreibe?
    Ich kann nicht sagen, ob ich mir diese Frage schon mal gestellt habe. Zumindest nicht bewusst.
    In meiner Jugend habe ich eine Handvoll Gedichte geschrieben und auch mal ein Drehbuch angefangen.
    Während meiner Diplomarbeit entdeckte ich den Spaß am Lesen von Romanen, und in dieser Phase hatte ich eine Idee und schrieb einfach darauf los.
    Es machte mir Spaß und es kam etwas dabei zutage, dass mir gefallen hat und wie sich herausstellte auch ein paar anderen Leuten.
    Ich finde, wenn man für etwas Talent hat, sollte man auch das Beste daraus machen, um sich am Ende des Lebens nicht darüber zu ärgern, sein Potenzial nicht ausgeschöpft zu haben.

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